
Bis zum Abend geht es mir einigermaßen gut. Die Gedanken an unser Schicksal blitzen nur kurz hoch – zu groß ist der momentane Unmut in der Firma.
Am Abend dann ein unerwarteter Anruf. Meine Cousine A. meldet sich und meint: Bevor es die Spatzen von den Dächern pfeifen, wollten wir es euch selber sagen – wir erwarten Nachwuchs. Ganz kurz bin ich geschockt, doch reagiere ich mitfühlend, freue mich für sie und stelle Fragen.
Danach der Absturz: Seit einer Stunde weine ich bitterlich und kann nicht aufhören. Mein Schatz versucht mich zu trösten, aber es misslingt. Gott fragt nicht nach dem warum! Aber ich tue es und obwohl mein Kopf weiß, dass unser aller Schicksal festgeschrieben steht und wir es nicht ändern können, so versteht es mein Herz doch nicht.
Wäre der Tod unserer Tochter für mich leichter zu ertragen, wenn es für mich einfacher sein würde, schwanger zu werden? Doch auch diese Frage ist irrelevant, denn die Antwort darauf bleibt mir verwehrt.
Wieder befinde ich mich in dem Strudel völliger Verzweiflung. Ich fühle mich, als hätte ich bei Mia versagt, als wäre es auch meine Schuld, dass ich nicht schwanger werden kann. Und auch wenn ich immer wieder höre, Paare werden schwanger sobald sie aufhören es zu versuchen, wehre ich mich dagegen. Ich kann und will meinen Kinderwunsch nicht aufgeben.
So vieles in meinem Leben scheint einfach nicht nach einem gerechten Plan zu verlaufen – oder bin ich nur undankbar? Ich sehe und schätze alles Gute in meinem Leben und dennoch übermannt mich meine Trauer immer wieder bis ins Innerste.
Genau ein Jahr nach meiner Schwangerschaft, erwartet nun meine Cousine ein Kind und während ich eine Kerze für Mia anzünde, freuen sich zwei Menschen auf ihr zukünftiges Familienleben. Alle Stadien zur selben Zeit, der errechnete Geburtsttermin nur wenige Tage nach Mia’s. Ich wünsche ihnen alles Gute und trotzdem ist ein verbitterter Teil vom mir neidisch und fragt sich, warum schon wieder diese Situation. Wieder wünschen wir uns ein Kind und andere freuen sich.
Ich trauere – um Mia und um mich!
E.
Foto: csn-deutschland.de